Schweizer Monat
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Als die Finanzkrise 2007 losbricht, agiert er inmitten eines perfekten Sturms. Jede Äusserung sorgt für Reaktionen an den Märkten und in der Öffentlichkeit. Der innere Zensor hat heute weniger Arbeit. Josef Ackermann über Ehrlichkeit trotz allem, Adrenalinquellen und Lichtschalter in fremden Hotels.
Von René Scheu, Florian Rittmeyer, Josef Ackermann

Josef Ackermann, photographiert von Suzanne Schwiertz.

Herr Ackermann, jeder hat eine Meinung zu Fussball. Und jeder hat eine Meinung zu Josef Ackermann. Egal, wohin Sie gehen, ein Bild von Ihnen ist immer schon da. Wie gehen Sie damit um?
Wer über viele Jahre ein Grossunternehmen führt, das im Namen auch noch auf das eigene Land verweist, wird zwangsläufig zu einer öffentlichen Person. Als ich seinerzeit Chef der Deutschen Bank wurde, sagte mir Karl-Otto Pöhl, der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank:...
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Geld soll zur blossen digitalen Spur werden. Und doch können kontrollierende Staaten nicht verhindern, dass die Bürger zuletzt in reale Werte fliehen, in die Untergrundwirtschaft, in den Tausch, in Goldklauseln in den Verträgen. Sie halten sich an den Wahlspruch der 68er: Rebellion ist berechtigt.
Von Beat Kappeler

Beat Kappeler, photographiert von Philipp Baer.

Mit mehr als 1000 Euro bar zu zahlen, ist in Westeuropa schon weitherum verboten. Bargeld soll den elektronisierten Zahlungen weichen. Ein grosses Projekt der Machthaber und Notenbanken vollzieht sich, alles Geld muss einsehbar, kontrollierbar, besteuerbar und amputierbar werden. In der Schweiz solle Bargeld bei Zahlungen erst ab 100 000 Franken verboten werden, schlägt die Finanzministerin vor. Demgegenüber muss sich jeder EU-Bürger nicht nur beim Verlassen der EU, sondern...
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Die grossen Firmen wandern ab, wenn mehr reguliert wird. Mit ihnen verschwinden gut ausgebildete Angestellte. Zurück bleibt ein Land von Bauern und Kleinunternehmern, die unerschrocken das «Erfolgsmodell Schweiz» hochhalten. – Wie viel Realismus, wie viel Realitätsverweigerung schwimmt mit im öffentlichen Diskurs? Gibt es eine A-Schweiz und eine B-Schweiz? Ticken wirklich immer mehr Bürger wirtschaftsfeindlich? Und entpuppen sich Marktwirtschaft und direkte Demokratie zunehmend als widerstreitende Kräfte?
Von René Scheu, Christoph Blocher, Florian Rittmeyer, Gebhard Kirchgässner, Christian Levrat

Christian Levrat, Gebhard Kirchgässner und Christoph Blocher, photographiert von Philipp Baer.

Herr Blocher, beginnen wir bei den Wurzeln: Christian Levrat hat seine politische Karriere mit der Gründung einer Sektion der Jungli­beralen begonnen. Wo orten Sie bei ihm heute noch Restbestände an liberalem Gedankengut?
Christoph Blocher: Heute wollen ja alle irgendwie liberal sein. Die Linken sind liberal, die Rechten sind liberal, die Sozialdemokraten sind liberal und die SVP sowieso. Das Wort ist in der Politik völlig abgedroschen. Herr Levrat ist ein Sozialist, ein sehr...
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Mario Vargas Llosa ist einer der weltweit einflussreichsten liberalen Intellektuellen. Im Gespräch mit dem französischen Philosophen und Soziologen Gilles Lipovetsky diskutiert er über das Verschwinden der Hochkultur im Kapitalismus und die Sinnleere in der Gesellschaft des Spektakels. Und muss sich unerwartete Kritik gefallen lassen.
Von Mario Vargas Llosa, Gilles Lipovetsky

Mario Vargas Llosa, photographiert von Staffan Loewstedt / SvD / Scanpix.

Mario Vargas Llosa: Lieber Gilles Lipovetsky, bitte gönnen Sie mir eine kurze Vorbemerkung zu unserem Gespräch. Es beunruhigt, um nicht zu sagen beängstigt mich, wenn ich sehe, wie sich das, was wir unter «Kultur» verstanden, als ich noch jung war, im Laufe meines Lebens gewandelt hat. Heute hat es kaum noch etwas gemein mit dem, was «Kultur» in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren für uns bedeutete. In meinem Essay «Alles...
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Urs Widmer war eine poetische Stimme seiner und unserer Zeit. Zum Tode eines Meisters der gegenwärtigen Literaturszene.
Von Pirmin Meier

Urs Widmer (Photo: wikipedia.de)

Urs Widmer, geboren am 21. Mai 1938 in Basel, also fast genau am ersten Geburtstag von Peter von Matt, verstorben nach schwerer Krankheit in Zürich am 2. April 2014, dem 100. Todestag von Nobelpreisträger Paul Heyse, wurde von Marcel-Reich Ranicki einst als «Weltliterat» bezeichnet.
Urs Widmer war ein hervorragender Literat, ursprünglich Lektor im Oltner Walter-Verlag, später bei Suhrkamp in Frankfurt, auch ein ausgezeichneter Übersetzer. Wenn ich Peter...
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Bauern, Mägde, Hokuspokus: Beim Feierabendtee in ihrer Stube erklärt Schriftstellerin Silvia Tschui, wieso es sich lohnt, die Schweizer Historie zu plündern und sie kreativ umzuformen. Und warum das – ansprechend präsentiert – auch im Ausland ankommt.
Von Claudia Mäder, Silvia Tschui

Silvia Tschui, photographiert von Basil Stücheli.

Silvia, im Zentrum deines Roman-Erstlings «Jakobs Ross» steht mit Elsie eine junge fiktive Magd, die in der Schweiz des 19. Jahrhunderts ihr künstlerisches Talent zu entfalten versucht. Neben ihr treten zwar historisch belegte Figuren auf – im auf Seite 82 abgedruckten Manuskriptauszug etwa Lydia Welti-Escher –, doch sind die, jenseits von Name und Beruf, ebenfalls frei von dir erfunden…
…und relativ beliebig mit Anekdoten, literarischen...
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Beschleunigung, Hetze, Burn-out: Schuld daran ist unser naiver Glaube an die verordnete Uhrzeit, behauptet Zeitforscher Karlheinz Geissler. Wieso wir gut
daran tun, über das Ziffernblatt hinauszudenken.
Von Michael Wiederstein, Karlheinz Geissler

Karlheinz Geissler, photographiert von Jonas Geissler.

Herr Geissler, schön, dass Sie sich Zeit nehmen, mit mir zu sprechen. Wobei: das ist ja gleich schon die erste Frage. Kann man sie sich nehmen, die Zeit? Hat man überhaupt welche?
Nein. Die Zeit ist nicht so etwas wie ein Gegenstand, der von mir abgetrennt ist, den ich mir also nehmen und an Sie vergeben könnte. Zeit haben, Zeit nehmen, Zeit erhalten – all diese Begrifflichkeiten existieren erst, seit es die Uhr gibt. Und Sie werden mir zustimmen, dass Zeit auch schon...
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Replik auf David Dürrs Vorschlag, das Gewalt- und Gesetzgebungsmonopol des Staates abzuschaffen, vorgetragen im «Schweizer Monat» 1012 (Dezember 2013).
Von Wolfgang Marx
Das mag beim ersten Hören verlockend klingen, wenn da einer für einen Staat ohne Gewalt- und Gesetzgebungsmonopol eintritt und verspricht, daraus werde sich nach den Mechanismen des freien Marktes eine gute Ordnung des Zusammenlebens von Menschen dann schon ergeben. Bei weiterem Nachdenken stellt sich jedoch schnell Ernüchterung ein, zu offensichtlich sind die Schwachpunkte und Denkfehler, die eine solche Verheissung zu einem letztlich uneinlösbaren Versprechen...
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Von Mirjam B. Teitler
Roger Schawinski fragt sich: «Wer bin ich?» Landauf, landab waren die Blätter mit Kritiken und Interviews zur frisch erschienenen Autobiographie des Medienpioniers gefüllt. So viel Rummel um eine wohlbekannte Lebensgeschichte stimmte mich skeptisch. Deshalb kaufte ich das Buch. «You can get it if you really want» – Anstoss für Schawinskis «Radio 24» war ein kurzer Bericht über einen gesetzlosen Zustand in Italien: Dort sei das Radio-... » Mehr
Von Nicola Forster
Pardon, dass ich Sie nochmals mit der Masseneinwanderungs-Initiative belästige, aber etwas liegt mir doch noch auf dem Magen: die damit verbundene Bankrotterklärung der liberalen Politik in der Schweiz. Dass es nicht besonders gut bestellt ist um FDP und Konsorten, war dem liberalen Beobachter ja schon vorher klar. Tragisch ist aber, dass sich keine profilierten Köpfe fanden, die der scheinbar weit verbreiteten Antiwachstumsstimmung und der damit verbundenen Sehnsucht nach einer... » Mehr
Von Michael Wiederstein

PistenBully 600 und Albert Wyss, photographiert von Michael Wiederstein.

Als Albert den Motor startet, tönt vom Armaturenbrett her kein «Bing» durch die spärlich beleuchtete Fahrerkabine. Eines, das frostige Temperaturen und potentiell prekäre Verkehrsverhältnisse anzeigt, meine ich. Kalt ist es zwar –  «–8,0 °C» steht auf der Anzeige über Albert «Bärtel» Wyss’ Kopf – Eis wie Schnee sind meinem Chauffeur und seinem Gefährt aber herzlich egal: Albert und ich, wir...
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Von Redaktion
Ja, sie können!
Man kennt und respektiert sich. Aber sobald das Record-Lämpchen der TV-Kameras leuchtet, fallen ihre Argumente nicht selten dem Politzirkus zum Opfer: Christoph Blocher und Christian Levrat kennen die Tricks und Finten des öffentlichen Streits. Zum Beispiel: Ignore the message, shoot the messenger. Wir baten also die beiden Parteistrategen, für einmal auf persönliche Angriffe zu verzichten und nur die Kraft des besseren Arguments spielen zu lassen. Und...
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Von Tomáš Sedláček
Unsere Darstellung der Wirtschaftsleistung ist ein Erbe des europaweiten Nationalismus, da sie auf willkürlichen, alten Landesgrenzen basiert – und die daraus resultierenden Zahlen sagen auch für sich allein recht wenig aus. Das wäre harmlos, würden sie nicht bis heute die Natur unserer europäischen Wirtschaftsdebatte prägen. Ich kann die ewigen Klischees, die daraus resultieren, nicht mehr hören, zum Beispiel das angebliche Nord-Süd-Gefälle bei... » Mehr
Glauben auch Sie, dass private Geschäftsbanken Finanzvermittler sind und Einlagen von Sparenden an Kreditnehmende ausleihen? Und, dass die Zentralbank die einzige Institution ist, welche Geld ‘machen‘ darf? Oder, dass die privaten Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld ausleihen, welches sie dann anschliessend durch Kredite an ihre Kunden in Umlauf bringen?
Von Armin Barandun
Falls Sie das glauben, so befinden Sie sich in sehr guter Gesellschaft. Prof. Dr. Werner, Inhaber des Lehrstuhls für International Banking, Southampton University hat im 2012 eine Umfrage gemacht. 84% der Befragten, waren der Meinung, dass die Regierung das Geld macht und es zuteilt. Auf die Frage «Würden Sie einem System zustimmen, in dem das meiste Geld durch private, auch profitorientierte Unternehmen produziert und verteilt wird und nicht durch staatliche Organe?»... » Mehr

Osterdilemma


Wie kann man einer Zeitschrift Bekanntheit verschaffen, die nur einem ausgewählten Publikum bekannt ist – die aber qualitativ hochstehende Inhalte abseits des Tages- und Wochennewsgeschäfts liefert? Das war die Ausgangsfrage, die uns zu einer Entdeckungsreise in die molekularen Zusammenhänge der Sprache führte. Uns? Die Werbeagentur Havas Worldwide Zürich. Mit der neuen Kampagne für den «Schweizer Monat».
Von Michael Kathe
Am Anfang steht das Wort. Und das ist es, was den «Schweizer Monat» ausmacht. Nicht Bilder, nicht Newsticker, nicht Sensationen und Primeurs, sondern Wörter und darauf aufbauend Gedanken. Dem vom Philosophen René Scheu herausgegebenen Magazin attestiert zum Beispiel der Publizistikwissenschafter Kurt Imhof als einziger Zeitschrift der Schweiz lobend «bürgerliche Intellektualität». Der «Monat» sei eines der wenigen journalistischen...
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