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Dossier
Ein Sprint durch 150 000 Jahre Menschheitsgeschichte – und ein Ausblick auf die nächsten 100 Jahre
Von Ian Morris
Um es gleich vorwegzunehmen: der Westen regiert die Welt. Und richtig: China hat die zweitgrösste und Japan die drittgrösste Wirtschaft dieser Welt. Aber Europa und Nordamerika generieren zusammen immer noch zwei Drittel des globalen Wohlstandes, besitzen immer noch zwei Drittel der modernen Waffen und verantworten immer noch zwei Drittel der weltweit ausgegebenen Gelder für Forschung und Entwicklung – und das, obwohl sie weniger als ein Siebtel der Weltbevölkerung stellen.
Aber die...
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Kommentar
Die neuen «Too Big To Fail»-Gesetzte gelten für alle systemrelevanten Unternehmen. Nicht ganz: der Staat, das systemrelevante Unternehmen par excellence, klammert sich aus. Das ist inkonsequent, findet David Dürr.
Von David Dürr
Der Staat tut das, was alle Monopolisten tun: er missbraucht seine Monopolmacht. Und weil er gewichtige Monopole hat, ist auch der Machtmissbrauch gewichtig, zum Beispiel bei seinem Gesetzgebungsmonopol: so müsste er eigentlich Gesetze geben, die ausnahmslos für alle gelten, für Kleine wie für Grosse, für Schwache und für Mächtige – und selbstverständlich auch für ihn selbst, den Staat. Doch eben dies missachtet er beharrlich, sich selbst nimmt...
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Online
Vielfalt statt Einigkeit: Gedanken zur Schweizer Medienlandschaft
Von Georges Bindschedler
In medias res: zum Kern der Sache, in die Mitte der Dinge hinein, ohne Umschweife, direkt. Horaz gebrauchte die Wendung in seiner «Ars poetica», um Homers «Illias» zu loben, und formulierte damit zugleich das Credo journalistischen Schreibens, damals wie heute. Printmedien sind die Mitte zwischen Information und Leser, und sie nehmen ihre Aufgabe als Vermittler wahr, indem sie zum Kern der Sache vorstossen.
So müsste es jedenfalls sein. In der Empörungs- und...
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Dossier
Er erkletterte die drei grossen Nordwände der Alpen – Eiger, Mönch und Jungfrau – an einem Tag. Nun stellt er im Himalaya vertikale Geschwindigkeitsrekorde auf. Der Bergsteiger Ueli Steck über kalte Füsse, Halluzinationen auf dem Everest und Köche im Basislager.
Von Michael Wiederstein, Markus Rottmann, Ueli Steck
Herr Steck, Sie sind soeben aus dem Himalaya zurückgekehrt. Welchen Rekord haben Sie diesmal gebrochen?
Keinen. Ich habe Urlaub gemacht.
Am Mount Everest?
Nein. Ich bin auf die über 6800 Meter hohe Ama Dablam gestiegen. Zum dritten Mal. Diesmal mit meiner Frau.
Wie oft mussten Sie auf Ihre Frau warten?
(lacht) Nur selten. Wenn ich mit meiner Frau oder Freunden am Berg bin, dann bin ich nicht der Bergsteiger Ueli Steck. Ich bin also nicht am Arbeiten und muss auch nicht...
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Essay
Die Wachstumsrhetorik ist ein grosses Missverständnis. Europa ist seit der frühen Neuzeit auf mehr als Wachstum angelegt: auf Lebenssteigerung. Stichworte zu einer Neufassung der europäisch-unternehmerischen Idee vom reichen Leben.
Von Peter Sloterdijk
Wer heute eine affirmative Wachstumsdoktrin vortragen möchte, befindet sich in einer wenig beneidenswerten Position: er muss sich zur Verteidigung seiner These auf einen Begriff stützen, der schon heute stark kompromittiert ist und der künftig wohl gänzlich unbrauchbar werden wird. «Produktivitätswachstum» – das geht wohl noch an; aber schon der Drohbegriff «Bevölkerungswachstum» macht den positiven Eindruck zunichte, um vom...
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Dossier
Wir können uns mit dem zufrieden geben, was wir sind. Oder wir arbeiten ständig an uns und optimieren die eigene Leistungsfähigkeit. Sieben alltagstaugliche Rezepte zur Verbesserung der Hirnleistung – und zur Steigerung der Lebenslust.
Von Didier Sornette
Wachheit, intellektuelle Stärke und Beständigkeit, körperliche Gesundheit – das sind Dinge, die sich herstellen lassen, mit einem Minimum an Willenskraft und organisatorischem bzw. zeitlichem Aufwand. Die Ergebnisse dieser einfachen Rezepte können das Leben nachhaltig verändern.
Warum optimieren? Warum Leistung? Warum Leistungsdenken? Eigentlich wollen die meisten von uns doch bloss ihr Leben geniessen und ihm einen Sinn abgewinnen. So weit, so gut. Ich...
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Debatte
Was Martin Wolf schreibt, lesen die wichtigsten Vertreter der Finanzwelt. Aber hören sie auch auf ihn? Und sollten sie denn auf ihn hören? Er argumentiert historisch. Eine grosse Depression gelte es um jeden Preis zu verhindern.
Von René Scheu, Florian Rittmeyer, Martin Wolf
Herr Wolf, Sie sind Chefkommentator der «Financial Times». Damit prägen Sie mit, wie Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft über die Finanzwelt denken. Wie gross ist Ihre publizistische Macht?
Die Frage klingt gut. Die Antwort ist banal: erstens kann man diese Macht nicht messen, und zweitens denke ich schlicht und einfach nie daran. Denn sobald ich dies täte, würde ich selbstgefällig, und wenn man selbstgefällig wird, beginnt man zu...
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Essay
Die Schweiz ist mittendrin und doch ausserhalb. Das Abseitsstehen pflegt sie mit Bedacht – und mit Erfolg. Das hat seinen Grund. Und seine Geschichte. Gedanken zur helvetischen Staatlichkeit, die modern ist, weil sie nie modern sein wollte.
Von Dieter Freiburghaus
Als Gymnasiast ging ich oft und gerne in die Landesbibliothek. Sie lag unserer Schule direkt gegenüber, und der moderne Bau von Oeschger, Kaufmann und Hostettler hatte es mir angetan. Heute heisst die Institution «Schweizerische Nationalbibliothek»; und das Landesmuseum in Zürich wird zum Schweizerischen Nationalmuseum. Wird die Schweiz im 21. Jahrhundert etwa spät noch eine Nation? Nein, werden wir beruhigt, es sei nur so, dass «Landes...» im Ausland...
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Was macht die Kunst?
Die Künstlerin Ingeborg Lüscher erzählt von ihrer Arbeit mit Sonderlingen im Tessin und den Grenzen ihrer eigenen Menschlichkeit. Und sie erklärt, weshalb sie den Nachlass von Harald Szeemann trotz Verbundenheit mit der Schweiz nach Los Angeles verkaufte.
Von Johannes M. Hedinger , Ingeborg Lüscher
Ingeborg, was macht die Kunst?
Oh, das ist gerade das Allerschwierigste. Ich habe eben die Videoarbeit «Die andere Seite» beendet, an der ich zwei Jahre gearbeitet habe. Dafür filmte ich in Israel und Palästina bei Menschen, die durch «die andere Seite» nahe Menschen verloren haben. Ich richtete an sie jeweils drei Aufforderungen, erstens: Denke, wer du bist, dein Name, deine Herkunft. Zweitens: Denke, was die andere Seite dir angetan hat. Und drittens: Denke,...
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Debatte
Der Mathematiker und Nobelpreisträger John Forbes Nash misstraut dem Geld, das aus dem Nichts geschaffen wird. Zugleich sieht er dessen Potential: mit solchem Geld lässt sich spielen. Je höher die Inflation ist, desto besser fährt der Schuldner. Das wissen die Privaten. Und die Politiker. Bleibt die Frage: wer gewinnt am Ende?
Von René Scheu, John Forbes Nash
Herr Nash, Sie halten hier am Treffen der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften in Lindau einen Vortrag über Geld. Das würde man von einem Mathematiker nicht unbedingt erwarten. Was sind denn die wesentlichen Elemente dessen, was Sie «ideales Geld» nennen?
Ich habe 2002 einen Artikel über ideales Geld geschrieben, der auf einer Rede beruhte, die ich vor der Southern Economic Association gehalten hatte. Das ideale Geld stellte ich dem Geld...
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Rezension
Jeroen van Rooijen: Hat das Stil? 200 Fragen und Antworten zur kultivierten Lebensart. Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung, 2011.
Von Thomas Sprecher
Vorbei sind die Zeiten, in denen die gehobene Lebenswelt vor Stilsicherheit strahlte: Überall trampelt das Bäurische voran, das Stumpfe und Rohe dringt in die besten Häuser. Das Turnschuhwesen hat sich auf eine Weise ausgebreitet, dass einem bange werden muss. Und bei alldem ist das zivilisierte Bewusstsein immer leicht überfordert. Denn Hand aufs Herz: Wem fiele die Entscheidung, ob er in Vollfilzpantoffeln oder skandinavischen Hüttenfinken sein Zuhause durchmessen...
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Zwischen den Zeilen
Sein bevorzugtes Werkzeug ist das literarische Skalpell: Peter Stamm seziert die Gesellschaft wie kein anderer Schweizer Gegenwartsschriftsteller. Unter dem Deckmäntelchen des literarischen Kleinods brodelt es! Ein Gespräch über Rebellen im Thurgau, gefühlsechte Romantiker und den erziehungsbedürftigen Max Frisch.
Von Peter Stamm, Michael Wiederstein
Herr Stamm, Sie haben dieses Jahr schon alle möglichen Fragen beantworten müssen. Beginnen wir also einmal andersherum: worüber möchten Sie heute gerne sprechen?
Über den Euro vielleicht?
Wieso über ein so trockenes Thema?
Ganz einfach: ich bin bei einem deutschen Verlag. Ich bin ein Opfer der Euro-Krise, insofern ich mein Einkommen weitgehend aus dem Euro-Raum erhalte.
Am Hungertuch nagen Sie aber hoffentlich noch nicht?
Nein. Mir geht es...
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Essay
In einer offenen Gesellschaft zu leben, ist schön. Und oft anstrengend. Karl Popper hat sein Plädoyer für die offene Gesellschaft verfasst, als in Europa der Zweite Weltkrieg tobte. Seither herrscht Frieden. Und immer mehr Gleichgültigkeit. Grundsätzliche Gedanken zu unserer freien Ordnung, die mehr Engagement verdient.
Von Elisabeth Kopp
«Europäer sind sich zu wenig bewusst, dass die Freiheit erkämpft werden musste und noch immer muss. Selbstzufriedenheit und Gleichgültigkeit dominieren.» Dieser Satz – er stammt aus einem Interview, das René Scheu mit Ayaan Hirsi Ali führte* – hat mich umso mehr getroffen, als mich ähnliche Sorgen seit geraumer Zeit beschäftigen.
Wir leben in Europa gemäss einem weitverbreiteten Selbstverständnis in sogenannten...
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