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Marktplatz
Gelddruckende Zentralbanken, Einheitswährung Euro, überschuldete Staaten, schrumpfvergreisende Bevölkerungen – die Lage in Europa ist unübersichtlich. Wie gehen Steuerzahler, Sparer, Bürger, Pensionäre damit um? Zwei Skeptiker entwerfen realistische Szenarien. Und passende Gegenstrategien.
Von Beat Kappeler, René Scheu, Ivan Adamovich
Beat Kappeler und Ivan Adamovic, photographiert von Philipp Baer.
Wir wissen nicht mit Sicherheit, ob übermorgen die Sonne scheint. Aber wir glauben zu wissen, wie die Europäische Union in zwei Jahren aussieht. Mein Eindruck ist: Der Mensch überschätzt seine Prognosefähigkeiten ständig. Oder wie sehen Sie das, Herr Kappeler?
Beat Kappeler: Wer das Zeitgeschehen kritisch beobachtet, will erkennen, was ist – und nicht, was sein soll. Der Blick der Täter in Brüssel hingegen ist stets durch ihre politischen...
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Dossier
Unter dem Diktat internationaler Akteure wird das Volk zur Gefahr für die Ordnung. Unfähig, die richtigen Entscheidungen zu treffen, sind aber nicht die unwissenden Bürger, sondern die orientierungslosen Eliten.
Von Slavoj Žižek
Slavoj Žižek, photographiert von Matt Carr (Getty Images).
In einem der letzten Interviews vor seinem Sturz wurde Nicolae Ceauşescu von einem westlichen Journalisten gefragt, wie er den Umstand rechtfertige, dass rumänische Bürger trotz verfassungsmässig garantierter Reisefreiheit nicht frei ins Ausland reisen könnten. Seine Antwort erfolgte in bester stalinistischer Manier, sprich dialektischer Spitzfindigkeit: Tatsächlich garantiere die Verfassung Reisefreiheit, doch garantiere sie auch das Recht des Volks auf eine sichere...
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Gespräch
Wie steht es in der Schweizer Medienlandschaft um den Wettbewerb der Argumente? Wer finanziert ihn? Und gibt es noch so etwas wie bürgerliche Intellektualität? Ein Gespräch mit Kurt Imhof über Empörungsbewirtschaftung, das Verlangen nach öffentlichen Hinrichtungen – und den «Monat».
Von Kurt Imhof, René Scheu, Florian Rittmeyer
Kurt Imhof, photographiert von Thomas Burla.
Herr Imhof, wir wollen mit Ihnen über Qualität der Schweizer Printmedien reden. Seit 2010 geben Sie das Jahrbuch «Qualität der Medien» heraus, das notorisch Qualitätsdefizite beklagt, was wiederum regelmässig Kritik von Seiten der Journalisten heraufbeschwört...
Eines vorweg, nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Vernünftige Medienkritik schliesst an den Aufklärungsliberalismus an. Seine Hauptbotschaft ist das Training menschlicher...
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Aus aktuellem Anlass
Zum Hinschied des Autors und Germanisten Jürg Amann
Von Pirmin Meier
Jürg Amann, photographiert von Marianne Fleitmann.
Jürg Amann, in Winterthur geboren am 70. Geburtstag von Hermann Hesse, am 2. Juli 1947, verstorben nach schwerer Krankheit am 5. Mai 2013, dem Tag von St. Gotthard, in Zürich, war ein für seine Generation und für seine Zeit repräsentativer Schweizer Schriftsteller.
Während die 35. Solothurner Literaturtage dem Thema «Anfänge» gewidmet waren, ging in Zürich auf offensichtlich wenig erhabene Weise das Leben eines Poeten zu Ende, dessen Vater...
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Nacht des Monats
Von Michael Wiederstein
Luzia von Wyl, photographiert von Michael Wiederstein.
Es knackt, es raschelt, es klingt. Dann klopft es: hier ein Bing, da ein Bong, unterlegt von Lauten eines alten Minikeyboards, das Ton für Ton die Oktave abwärts dröhnt. Derweil drehen sich Rädchen, bewegen sich Strippen, hauen Hämmerchen auf Becken und Sperrmüll. Wer sich anstrengt, vermag beim Laufen dieser «Ton-Mischmaschine» eine Art Harmonie herauszuhören. Wer sich nicht anstrengt, bleibt «Pop» und staunt immerhin ob der...
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Essay
Die Absenz des Selbstdesigns als höchste Steigerungsform des Selbstdesigns
Von Christian Saehrendt
Christian Saehrendt, photographiert von Sarah Tschanz.
Die tiefe Verzweiflung darüber, dass es heute schier unmöglich sei, Kunst zu erschaffen, die über das ästhetisch-kommerziell definierte Kunstfeld hinausweist, trifft die Künstleridentität ins Mark. Das Kunstfeld erscheint als hermetisch abgeriegelter Raum, als gläserner Kubus. Zur Aussenwelt, zum echten Leben gibt es allenfalls Sichtkontakt. Der Traum von der Kunst als einem autonomen Bereich der geistigen Freiheit, der Traum von der weltverbessernden...
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Gespräch
Er hat Friedrich August von Hayek und Isaiah Berlin persönlich gekannt und geschätzt. Heute zählt John Gray selbst zu den einflussreichen Intellektuellen Grossbritanniens. Und zieht die Ökonomen Marx und Keynes dem «Utopisten» Hayek vor. Ein Streitgespräch.
Von René Scheu, John Gray
John Gray, photographiert von Thomas Burla.
Herr Gray, Sie sind eine jener philosophischen Stimmen, die in Grossbritannien wirklich gehört werden. Sie selbst hatten einst Friedrich August von Hayek für seine luziden Analysen der Marktwirtschaft gelobt. Heute rühmen Sie Karl Marx für dessen Kritik des ökonomischen Systems. Warum der Gesinnungswandel?
Das Ziel intellektueller Reisen ist jeweils unbekannt. Urteile sind stets revidierbar. Ich würde sagen: wir beginnen mit Hayek.
Schiessen Sie los.
Hayek...
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Ohne Scheuklappen
Von René Scheu
Der Diskurs ist sein Element. Kurt Imhof verstummt kurz, um sich die Frage anzuhören. Es ist, als würde er auf der Lauer liegen. Dann legt er wieder los. Imhof ist ein Meister der allmählichen Verfertigung der Idee beim Reden. Denkpausen, Zögern, Zaudern sind nicht vorgesehen. Seine mäandrierenden Ausführungen münden stets in eine Pointe, die trotz aufwendigem soziologischem Jargon beim Adressaten ankommt. Ist die Pointe gelungen, bricht Imhof selbst in...
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Was macht die Kunst?
Milo Rau spricht nach seiner Rückkehr aus Moskau über die von ihm dort inszenierten Schauprozesse. Und kündigt für Mai die «Zürcher Prozesse» gegen die «Weltwoche» an. Dabei geisselt er die Mattheit und politische Unkorrektheit der Schweizer – und das fehlende hiesige Schicksalsklima.
Von Johannes M. Hedinger , Milo Rau
Johannes M. Hedinger und Milo Rau, photographiert von Michael Wiederstein.
Milo, du kommst gerade aus Moskau zurück. Sag, was macht die Kunst?
In Moskau hat die Kunst einen schweren Stand – aber hier? Gestern hat mir der Leiter der Wiener Festwochen gesagt: «Für die Kunst leben wir in Westeuropa in der langweiligsten Zeit überhaupt.» Es scheint also von der politischen Situation abhängig zu sein, wie es der Kunst geht. Zumindest gilt das für die Kunst, die ich mache.
Gehen wir mal davon aus, der Leiter der Wiener...
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Stoifberg/Müller
Von Niko Stoifberg, Lina Müller
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Ingold x Ingold
Von Felix Philipp Ingold
Merkwürdig doch, dass dort, wo überhaupt noch über Literatur – über sogenannte schöne Literatur – debattiert wird, vorab von deren Markttauglichkeit und Aktualität, allenfalls von deren Nützlichkeit für die Gesellschaft die Rede ist. So auch in unserm Kolumnen-Dialog. Wir reden von Literatur nicht als Kunst, sondern als Medium für etwas, das nicht Literatur und meistens auch keine Kunst ist, von einer (Art von) Literatur, die mit...
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