Schweizer Monat
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Carl Djerassi hat wohl mehr für die Emanzipation der Frau getan als alle anderen Forscher des 20. Jahrhunderts. Der Erfinder der «Pille» interessiert sich heute weniger für die Verhütung der Vergangenheit denn für den unbeschwerten Sex der Zukunft. Besuch bei einem Visionär, der auch noch Schriftsteller und Kunstmäzen ist.
Von Sarah Pines, Carl Djerassi

Carl Djerassi, photographiert von Karen Ostertag.

Es ist ein leicht windiger Septembermorgen in San Francisco. Vom 15. Stock des Art-Deco-Hauses im Stadtteil «Russian Hill» hat man durch eine endlose Fensterfront Aussicht auf die noch nebelverhangene Bay, die Golden Gate Bridge und die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz. Die roten Sitzmöbel haben wir umständlich in Richtung Diktiergerät zurechtgeschoben und beginnen das Gespräch mit dem Thema, von dem Carl Djerassi inzwischen die Nase voll hat: der Pille. Der...
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Im Jahr 2015 herrscht in der Schweiz ein frivoles «Liberallala» – liberal sein wollen sie alle. Welchem Liberalismus-Ideal folgt die kürzlich gegründete Operation Libero?
Von Ivo Scherrer, Stefan Schlegel

Ivo Scherrer und Stefan Schlegel / Photo: privat

«Heute wollen alle liberal sein. Also ich bin sehr liberal. Viel liberaler als die Liberalen liberal sind», hat Christoph Blocher kürzlich auf Tele Blocher gesagt. In einer der beiden Aussagen ist ihm beizupflichten: Liberal sein wollen in der Schweiz von den Grünen bis zur SVP fast alle. Liberal sein ist en vogue und fleissig wird darum gestritten, wer die liberale Flagge am Höchsten hissen darf. Dabei steht meist eine Frage im Zentrum der Auseinandersetzungen: wie...
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Der ehemalige Unternehmer und Nationalrat François Loeb ist im dritten Berufsleben nur noch eines: passionierter Schriftsteller. Wie er sich seinen Traum erfüllte, warum Bücher die Antithese zum täglichen Newskonsum sind und welche Lektüre er den gestressten Ex-Kollegen empfiehlt, erzählt er in unserem Online-Spezial.
Von François Loeb, Urs Heinz Aerni

Francois Loeb / Quelle: pd

Herr Loeb, wir haben uns schon einmal getroffen, und zwar in der Wandelhalle des Bundeshauses. Damals haben wir uns über ein Leseförderungsprojekt unterhalten und Sie betonten die Wichtigkeit solcher Anliegen angesichts der aufkeimenden Leseschwäche bei vielen jungen Menschen. Das muss nun etwa 15 Jahre her sein. Wenn Sie heute zurückblicken: was hat sich in Sachen Lesekompetenz in der Schweiz getan?
Geändert hat sich, dass heute Kinder und Jugendliche meist mit...
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Der Zorn auf die politische und ökonomische Elite wächst, je länger die Krise anhält. Ob sie eine Schuld dafür trifft oder nicht – von jenen, die (sich) zur Elite zählen, wird erwartet, dass sie die Verantwortung übernehmen. Martin Wolf über den wichtigen Unterschied zwischen Opernsängern und Hedge-Fonds-Managern.
Von René Scheu, Florian Rittmeyer, Martin Wolf

Martin Wolf, photographiert von Philipp Baer.

Wir haben uns vor drei Jahren schon einmal in St. Gallen getroffen. Sie erinnern sich?
Wir sprachen damals über das Schreiben und die Macht.1
Genau. Das ist auch unser Business. Wie viel gesellschaftliche Macht haben Publizisten?
Ich sage das Gleiche wie damals: eigentlich keine – Sie können niemanden zwingen, das zu tun, von dem Sie glauben, es sei das Richtige. Die publizistische Ohnmacht stört mich aber nicht. Ich schreibe nicht, um Einfluss zu nehmen. Ich schreibe,...
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Xenia Tchoumitcheva tourt um die Welt, hält Leadership-Speeches, betreibt ein Webmagazin und ist Protagonistin ihrer eigenen Realityshow. Ein Gespräch mit der früheren «Monat»-Kolumnistin über Liberalismus, Denkstereotypen und ihr neues Leben als Verlegerin.
Von René Scheu, Xenia Tchoumitcheva

Xenia Tchoumitcheva, photographiert von Thomas Burla.

Seit unserem letzten grossen Gespräch hat sich viel getan. Der «Monat» hat sich gemausert, du hast dein eigenes Business aufgezogen. Obwohl du nicht mehr Kolumnistin bist, fragen unsere Leser immer wieder nach dir. Lass uns ein wenig nostalgisch beginnen und an unsere letzte Plauderei anknüpfen: Verschlingst du weiterhin die Werke der libertären russisch-amerikanischen Schriftstellerin Ayn Rand? 1
Es ist ja nicht so, dass Ayn Rand unüberschaubar viele...
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Die Lust an der Apokalypse oder kluge Vorausschau? Matthias Weik und Marc Friedrich empfehlen, sich auf den nächsten grossen Finanzcrash vorzubereiten.
Dabei ist klar: Er kommt bestimmt. Früher oder später.
Von Alex Rickert, Marc Friedrich, Matthias Weik
Sie sehen schwarz für die Weltwirtschaft und für das globale Finanz-system und propagieren den Crash als Lösung. Sie fordern tiefgreifende Reformen des Geldsystems und eine Rückkehr zu wirtschaftlichen Tugenden. Wie schätzen Sie die Chance ein, dass ein Kollaps mit diesen Mitteln abgewendet werden kann?
Marc Friedrich (F): Die Chance dafür geht gegen null. Wir zeigen in unserem Buch, dass es leider im bestehenden System keine Lösung gibt – vor allem... » Mehr
Kambodschanische Reminiszenzen
Von Matthias Messmer

Kambodscha, photographiert von Matthias Messmer.

«Leg dich mal auf das Sofa und erzähl», forderte mich ein älterer Freund unserer Familie auf. Ich brachte keine Worte heraus, wusste eigentlich auch nicht recht, was der Mann wollte. Die Couch, so dachte ich, war doch im Grunde etwas für Leute mit schlechtem Gewissen, wie der Beichtstuhl halt. Erst viel später las ich irgendwo, dass eine Liege auch dazu tauge, Gedanken besser in Worte zu fassen. Ich also einfach irgendetwas hätte sagen können. Was mir am...
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Wer den Status quo der staatlichen Kulturfinanzierung in Frage stellt, gilt rasch als Kunstbanause. Dabei hat ein einfacher Hebel im eidgenössischen Subventions- und Steuertheater das Potential, die Kulturbudgets zu erhöhen – und gleichzeitig die öffentliche Hand zu entlasten: die Anerkennung von Gemeinnützigkeit.
Von Rudolf Wehrli
Glücklich lässt der junge Mann die Atmosphäre in der Arena auf sich wirken: er hat es geschafft, eine Karte für das Konzert seiner Lieblingsrockband zu erhalten. Seit Wochen war dieser Auftritt in der heimischen Stadt das dominierende Thema, im Betrieb und in der Berufsschule genauso wie im Freundeskreis, nicht zuletzt wegen der stolzen Eintrittspreise. Nicht weniger als einen Viertel seines Monatslohnes als Lehrling musste er für einen Stehplatz auf den Tisch... » Mehr
Spendende Menschen sind glückliche Menschen. Wo endet das Eigeninteresse und wo beginnt die Weltverbesserung? Und was kommt heraus, wenn ein Grossunternehmer, ein Verhaltensökonom und ein Sozialinvestor nach Antworten auf diese Frage suchen?
Von René Scheu, Florian Rittmeyer, Ernst Fehr, Thomas Schmidheiny, Klaus Tischhauser

Klaus Tischhauser, photographiert von Philipp Baer.

Geld und seine Wirkung, Ethik und Investieren – beginnen wir mit der Gretchenfrage, Herr Tischhauser. Sie sind CEO eines weltweit führenden Vermögensverwalters im Mikrofinanzbereich. Sind Sie Kapitalist, Weltverbesserer oder wandelndes Wunder: ein Kapitalist, der es gut meint mit der Welt?
Klaus Tischhauser (KT): Unsere Firma ist der lebende Beweis dafür, dass man die beiden Dinge zusammenbringen kann. Wir investieren, und zwar gegen Rendite. Von daher kann man sagen: Wir...
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