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Editorial
Die neue Ausgabe (989) ist erschienen.
Von René Scheu
Das Schicksal der EU hängt wesentlich vom Willen Deutschlands ab, weiterhin den Nettozahler zu spielen. Unter deutschen Intellektuellen regt sich jedoch vermehrt Widerstand gegen das politische Grossprojekt. Hans Magnus Enzensberger, Autor von «Sanftes Monster Brüssel», analysiert im grossen Gespräch die «Geburtsfehler der EU». Und sagt, was wir gerne hören: die Schweiz sei jener Störenfried mitten in Europa, der die EU daran erinnere, dass
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Ohne Scheuklappen
Von René Scheu
Das geeinte Europa ist eine inspirierende und hoffnungsfrohe Idee. Und für viele selbsternannte Europäer ist sie der Zweck, der alle politischen Mittel heiligt. Dass die Kluft zwischen europäischer Idee und real existierender EU seit Jahr und Tag wächst, ist für den, der sich auf eine solche fatalistische Perspektive eingeschossen hat, naturgemäss sekundär. Er sagt sich: für jedes neue Problem findet sich auch eine neue Lösung. Die grundlegenden
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Neue Bürgerlichkeit
Von Norbert Bolz
Die Eindrücke, die ich diesen Sommer am Strand von Mallorca sammeln konnte, lassen sich sehr schön mit dem Titel eines alten Albums der Rolling Stones resümieren: «Tattoo You». Man sieht kaum mehr jemanden, der nicht tätowiert wäre. Ähnlich wie beim Piercing und der grossartigen Idee, sich die Haare blau färben zu lassen, handelt es sich beim Kult der Tattoos um eine unfreiwillige Parodie auf Self-Design. Selbstdarstellung ist in der modernen
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Marktplatz
Von Mathias Binswanger
Wenn man die Meldungen zur wirtschaftlichen Entwicklung in der Schweiz über die letzten Jahre anschaut, dann ist man manchmal nicht sicher, ob man sich in einem der reichsten Industrieländer oder vielleicht doch eher in einem Entwicklungsland befindet. Auf der einen Seite ist da von einem der weltweit höchsten Bruttonationaleinkommen pro Kopf, einem international führenden Finanzplatz, von international erfolgreichen Konzernen und von enormen Auslandsinvestitionen die Rede.
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Sofskys Welt
Von Wolfgang Sofsky
Ein kleiner Junge hockt in einer Plastikwanne und blickt zu seiner Mutter hinauf. Winzige Wasserperlen glitzern auf seinem ausgezehrten Körper. Unter der Haut zeichnet sich das Knochengerippe ab, an Armen und Achseln ist die Haut faltig wie bei einem Greis. Der Mund ist leicht geöffnet, voller Erwartung schauen die wachen Augen aus den dunklen Höhlen. Kaum scheint der kleine Leib den grossen Kopf tragen zu können. Mit beiden Händen hält sich das Kind am
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Freie Sicht
Von Christian P. Hoffmann
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekämpft die aktuelle Frankenstärke gegenüber Euro und Dollar, indem sie die Geldmenge erhöht. Die Märkte zeigen sich hiervon unbeeindruckt, die Massnahme gilt als unzureichend. Kritiker empfehlen der SNB, einen fixen bzw. minimalen Eurokurs – zum Beispiel von 1.15 CHF – mit allen Mitteln zu verteidigen. Viele und immer mehr Beobachter bejubeln diesen Vorschlag, doch ist er tatsächlich gut für die Schweiz?
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Kultur leben
Von Xenia Tchoumitcheva
Kürzlich habe ich zufällig festgestellt: nach einer gewissen Zeit der Anpassung, der anfänglichen Aufregung oder des Ärgers über eine neue Lebenssituation pendelt sich die Stimmung an jeder neuen Station meines Lebens wieder auf einem bestimmten Niveau ein. Ich habe diesem «automatischen Ausgleich» meines Gemütszustandes früher nie viel Beachtung geschenkt. Ich dachte: Glück und Stabilität sind Dinge, die eher im höheren Alter
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Echo
Die Schweizer Landwirtschaft geht nicht unter, wenn sich die Agrarmärkte öffnen. Sie wird dank mehr Wettbewerb vielmehr effizienter, stärker sowie wirtschaftlich und ökologisch nachhaltiger. Hören wir auf mit dem Agrarprotektionismus, der den Bauern auf lange Frist schadet?
Von Claudia Wirz
Apokalyptische Ankündigungen sind in der zunehmend komplexen Politik von heute ein ebenso einfacher wie wirksamer Kniff. Es gibt kaum mehr einen politischen Entscheid grösserer Tragweite, bei dem nicht Untergangsszenarien beschworen werden, sollte das Ergebnis anders ausfallen, als man selbst empfiehlt.
Die angestrebte, weitere Liberalisierung im Agrar- und Ernährungsbereich ist ein treffliches Beispiel dafür. Seit Jahren schon verteufeln die Gegner der Liberalisierung
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Debatte
Den anderen dienen – warum wir mehr echten Kapitalismus brauchen!
Von Daniel Eisele
Der Kapitalismus muss nicht ethisch gezähmt oder gar überwunden werden. Er ist eine zutiefst soziale, menschliche Wirtschafts- und Lebensform. Kapitalismus basiert darauf, dass Menschen und Firmen Produkte und Leistungen für andere anbieten und diejenigen erfolgreich sind, die diese Aufgabe für die Mitmenschen nachhaltig, innovativ und effizient erledigen. Dank Kapitalismus haben wir genügend Nahrung, Waschmaschinen, Medikamente und Kontaktlinsen. Er ist in moralischer
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Aus der Geschichte
Von Redaktion
«Der Wert des Dollars sinkt und sinkt. Die Kapriolen des Euros sind nicht weniger besorgniserregend. Seit anfangs Jahr ist der Trend völlig eindeutig. Die kleinen Erholungsphasen spenden nur minimalen Trost. Pessimismus beherrscht vorwiegend das Stimmungsbild. Und dies mit guten Gründen, hat doch der gestiegene Schweizer-Franken-Kurs als Spiegelbild der rasenden Talfahrt des Dollars einen Stand erreicht, der wohl kaum mehr als Ausdruck der in der gleichen Zeitspanne eingetretenen
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Aus der Geschichte
Exklusiv online: die Eskalationsspirale im Spiegel des «Schweizer Monats»
Von Redaktion
«Der Endpunkt ist erreicht» Beat Kappeler, Nr. 985, April 2011
«Die Staatsschulden haben eine Höhe, die Defizite eine Kadenz, die Zinsen ein Mass erreicht, was durch kein Wachstum der Volkswirtschaften mehr eingeholt, finanziert oder gar abbezahlt werden könnte. Die Zinseszinsreihen von Wachstum und Verschuldung laufen in mathematischer Stringenz auseinander, die Schulden schneller, die Volkswirtschaften langsamer. Rechnet man auch die riesigen Fälligkeiten
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Aus aktuellem Anlass
Die Stärke des Frankens ist Ausdruck der Stärke der Schweizer Volkswirtschaft. Sie widerspiegelt zugleich die Schwäche von Euro und Dollar. Die Schuldenwirtschaft der EU-Staaten und der USA beginnt ihren Tribut zu fordern. Soll sich die Schweiz den schwachen Ländern anpassen? Oder doch lieber auf ihre Stärken setzen?
Von Karen Horn
Wer im Ausland einkauft, dem kommt der starke Franken gerade recht. In der exportabhängigen Wirtschaft indes steigt die Nervosität. Wer seine Produkte und Dienstleistungen nun im Vergleich zum Vorjahr mit heftigem Preisaufschlag ins Ausland verkaufen muss, stöhnt unter der geschmälerten Wettbewerbsfähigkeit. Günstig war die Schweiz noch nie, aber jetzt, so scheint es, ist ein kritischer Punkt erreicht.
Der Franken beinahe auf Parität mit dem Euro – wer
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Aus aktuellem Anlass
Die massive Zuwanderung der letzten Jahre ist vor allem eine Folge der Nachfrage nach Arbeitskräften. Aber Arbeitskraftreserven finden sich auch bei uns. Die neuen Alten wären arbeitswillig, liesse man sie nur arbeiten. Eine personalpolitische Selbstversorgung der Schweiz ist möglich. Eine Handreichung zum Wahlherbst.
Von Peter Gross
Wenn man fragt, welche Beschaffenheit die Bevölkerungsstruktur in ihren zahllosen Metamorphosen erreicht hat, könnte man von einer Entpyramidisierung und Beruhigung reden. Wie immer Politiker und Bevölkerungswissenschafter diese Gestalt als «verkorkst» oder gar «krank» titulieren, sie ist das konsequente Ergebnis einer offenen freiheitlichen Gesellschaft, deren Bürger nicht nur ihren Arbeitsplatz und ihren Ehepartner frei wählen können,
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Aus aktuellem Anlass
Die Schweiz hätte Grund zur Freude. Das Land steht wirtschaftlich gut da. Doch ist von Freude wenig zu spüren. Seit der Finanzkrise dominiert das Gefühl der Verwundbarkeit. Wo sind jene, die im Wahlkampf Stolz und Zuversicht verbreiten?
Von Marina Masoni
Halten wir im Jahre vier nach dem Ausbruch der internationalen Finanzkrise fest: die Schweiz hat die Krise ohne grösseren Schaden überstanden. Zweifellos haben auch wir wirtschaftliche Rückschläge hinnehmen müssen. Doch die wirtschaftlichen Kennzahlen sind gut. Sie waren während der akuten Phase der Krise nicht so schlecht wie anfangs befürchtet, und heute sind sie sogar deutlich besser als jene anderer Industrieländer.
Verschuldung
Der Vergleich
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Debatte
Deutsche Intellektuelle zeichneten sich bisher nicht durch prononcierte EU-Kritik aus. Hans Magnus Enzensberger bricht mit dieser Tradition und klagt Brüssel wortgewaltig an. Ein Gespräch über die Stärken Europas, das System EU und einen Störenfried namens Schweiz.
Von Michael Wiederstein, Hans Magnus Enzensberger
Herr Enzensberger, wir sitzen im Garten von Loriots Lieblingshotel in Zürich. Der verstorbene deutsche Humorist hat einmal gesagt: «Aus einem Europa befreundeter Staaten wird eine zänkische, missgünstige Grossfamilie werden.» Was halten Sie, als Europäer, von seiner düsteren Prognose?
Er hat recht, in einem ganz elementaren Sinn. In der Kleinfamilie zanken sich bereits die Söhne und Töchter. Eine Grossfamilie zankt sich unter den Teilfamilien. Auch
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Debatte
Noch ist die EU nicht verloren. Eine historische deutsche Sicht.
Von Michael Stürmer
Beim Geld hört, nach alter Volksweisheit, die Gemütlichkeit auf. Das gilt auch für den Euro. Man spricht von der Schicksalsgemeinschaft in der gemeinsamen Währung. Darin liegt beides: die Hoffnung des grossen Europas und die Ahnung des Zerfalls. Eine unbestimmte, allenfalls nach der enormen Grössenordnung zu beziffernde Angst greift nach den Menschen, wenn sie in die Zukunft blicken. Die eigene wie die der Kinder und Enkel ist von kaum vorstellbaren Bürgschaften und
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Debatte
Gegen die Bürgerferne hilft nur ein neuer «Kontrakt für Europa». Eine politische deutsche Sicht.
Von Wolfgang Clement
Fällt der Euro – fällt die Europäische Union (EU)? Diese Gefahr, von Präsident Sarkozy und Kanzlerin Merkel beschworen, ist in jüngster Zeit immer deutlicher zutage getreten. Wenn die für die Währungsunion Verantwortlichen zögern und zaudern, wankt die EU. Und die europäische Idee – Einheit in Verschiedenheit – verliert mehr und mehr an Attraktivität. Das zeigt sich nicht nur in den Strassenschlachten von Athen oder den
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Anstoss
Too big to fail oder Der alternativlose Weg in die politische Vormoderne.
Von Georges Bindschedler
Too big to fail ist das Label, mit dem sich europäische Regierungen schmücken, um grosse Finanzinstitute vor dem Untergang und hochverschuldete Staaten vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass staatliche Misswirtschaft und Finanzindustrie in einer Art Symbiose leben. Ohne die Finanzindustrie wären die Regierungen in den letzten Jahrzehnten nicht in der Lage gewesen, ihren Macht- und Machbarkeitswahn mit verantwortungslos hohen Schulden zu
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Dossier
Von Redaktion
Mit «Sid Meier’s Civilization» erschien 1991 ein Computerspiel, das die Entstehung unserer mehr als 150 000 Jahre alten Zivilisation simuliert. Mit Maus und Tastatur formt der Spieler hier seine ganz eigene Menschheitsgeschichte – von der Entdeckung des Feuers bis hin zu aufstrebenden und fallenden Weltreichen. Er kann, sofern er sich geschickt anstellt, sogar die Besiedlung eines anderen Planeten herbeiklicken und befindet sich dabei in einer konkurrenzlosen
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Dossier
USA, China, EU, UNO, WTO, G-20 – die geopolitischen Kräfteverhältnisse ändern sich, neue Machtkonstellationen entstehen. Was sind die Konsequenzen für die Schweiz? Und wie sehen erfolgversprechende Strategien für den kleinen grossen Global Player aus?
Von Paul Widmer
In diesem Essay geht es um die Schweiz – um die Art und Weise, wie sie sich selbst sieht, wie andere sie sehen und wie sie sich in ändernden Machtkonstellationen erfolgreich behaupten kann. Wer von der Schweiz spricht, muss deshalb zuerst einmal die Welt abhandeln, die sich stetig verändert.
Seit 100 Jahren sind die Vereinigten Staaten von Amerika die stärkste Macht der Welt. Sie werden es auf Jahre hinaus noch bleiben. Kein anderer Staat vereinigt auf gleiche Weise jene
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Dossier
NGOs und multinationale Unternehmen verdrängen die traditionelle Diplomatie der Staaten, sagt Parag Khanna. Wie reagieren Nationalstaaten und supranationale Grossorganisationen auf diese Entwicklung? Ein Gespräch über die neuen Diplomaten, ein byzantinisches Amerika und chinesischen Strassenbau.
Von Florian Rittmeyer, Parag Khanna
Herr Khanna, Sie sind gerade in London und kommunizieren über ein Smartphone mit mir. Grosse Städte und neue Kommunikationstechnologien: beide spielen eine entscheidende Rolle in dem, was Sie als neue «Megadiplomatie» bezeichnen. Wann wird London einen Botschafter für Zürich haben, der die Interessen seiner Heimatstadt via Twitter vertritt?
Das hängt davon ab, wann im britischen Aussenministerium eine neue Generation von Diplomaten am Werk ist. Aber lassen
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Dossier
Ein Sprint durch 150 000 Jahre Menschheitsgeschichte – und ein Ausblick auf die nächsten 100 Jahre
Von Ian Morris
Um es gleich vorwegzunehmen: der Westen regiert die Welt. Und richtig: China hat die zweitgrösste und Japan die drittgrösste Wirtschaft dieser Welt. Aber Europa und Nordamerika generieren zusammen immer noch zwei Drittel des globalen Wohlstandes, besitzen immer noch zwei Drittel der modernen Waffen und verantworten immer noch zwei Drittel der weltweit ausgegebenen Gelder für Forschung und Entwicklung – und das, obwohl sie weniger als ein Siebtel der Weltbevölkerung
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Dossier
Die Welt lässt sich regieren, wenn auch nicht so, wie es Zentralisten gerne hätten. Ein Denkanstoss.
Von Bruno S. Frey
Eine Weltregierung ist ein uralter Traum vieler Menschen. Sie erwarten davon globale «Gerechtigkeit» und «Gleichheit» und darüber hinaus die Fähigkeit, die drängenden Probleme der Menschheit zu lösen. Dieser Wunsch ist verständlich, die Vorstellung, dass eine Weltregierung diese Ziele erreichen könne, jedoch überaus naiv. Sie widerspricht all dem, was wir über staatliches und politisches Handeln wissen.
Eine Weltregierung, wollte
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Dossier
China hat genug von der 500jährigen Vorherrschaft des Westens. Das Reich der Mitte will zurück dahin, wo es sich selber sieht – ins Zentrum.
Von Niall Ferguson
«Jetzt sind wir die Herrscher.» Ich frage mich, ob US-Präsident Barack Obama diese Worte in einer Gedankenblase über dem Kopf seines Amtskollegen Hu Jintao sah, als er ihm im November 2010 am G-20-Gipfel in Seoul gegenüberstand. Vielleicht hörte Finanzminister Timothy Geithner ebenfalls ein imaginäres «Jetzt sind wir die Herrscher», als die Chinesen seinen Vorschlag abschmetterten, die Ungleichgewichte der globalen Währungsreserven zu
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Was macht die Kunst?
Kälber, Oper, Dadaismus: Kuratorin Heike Munder inszeniert zeitgenössische Kunst auf Kuhweiden am linken Ufer des Zürichsees und fordert: mehr Reibung!
Von Johannes M. Hedinger , Heike Munder
Heike, wir sitzen in einer Scheune auf einem Bauernhof in Samstagern und trinken frischgepressten Apfelsaft. Was hat das alles mit Kunst zu tun?
Martin Blum, der Besitzer dieses Hofes, Künstler und Landwirt, hat mich vor zwei Jahren angesprochen, ob ich auf seinem Land ein Projekt als Gastkuratorin realisieren möchte. Als er 2009 den Hof von seinem Vater übernahm, hat er begonnen, Projekte mit befreundeten Künstlern zu realisieren. Da sich das Migros Museum für
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Zwischen den Zeilen
Am Anfang der modernen Kreditwirtschaft steht die Schuld des Staates. Kreditwirtschaft ist Schulden-wirtschaft. Und Kreditgeld eine reine Wette auf die Zukunft. Gespräch mit dem Kulturwissenschafter Joseph Vogl über Praktiken, die auch 200 Jahre nach ihrer Erfindung noch skandalös anmuten.
Von René Scheu, Joseph Vogl
Herr Vogl, Sie prangern in Ihrem Bestseller «Das Gespenst des Kapitals» das Funktionieren der Finanzmärkte als irrational an. Dabei gehen Sie von einem bemerkenswerten Umstand aus: was auf den Finanzmärkten unter Anwendung moderner ökonomischer Theorien geschieht, ist vom Mainstream dieser Theorien nicht mehr begreifbar. Wie haben die etablierten Ökonomen auf die Avance des Kulturwissenschafters reagiert?
Sie haben so zwiespältig darauf reagiert, wie die
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Rezension
Robert A. Fischer: Ich / Buchstabendrescher. Mit einem Text von Gina Bucher. Zürich: Edition Patrick Frey, 2011.
Von Beat Mazenauer
Seit Jahren schon wird auf der Frankfurter Buchmesse jeweils ein Boom der eBooks verkündet. Viel Lärm um wenig, bisher. Fest steht aber: die Verfügbarkeit von Büchern über digitale Ressourcen ist längst ein Bedürfnis der Benutzer und Leser. Manche Innovationen treten Euphorie los, andere hinterlassen Gefühle der Beklemmung. Die ab und an zur Schau gestellte Zuversicht seitens der Verlage täuscht kaum darüber hinweg, dass lieber dem klassischen
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Rezension
Tony O’Neill: Sick City. Zürich: Walde + Graf, 2011.
Von Michael Wiederstein
Seit in Hollywood summende Hybridautos die brummenden Strassenkreuzer ersetzt haben und dort ansässige Schauspieler sich eher für den Weltfrieden einsetzen als für ein gutes Drehbuch, frage ich mich: Was ist aus all den Dealern, Prostituierten, Gossenpoeten und janusköpfigen Filmproduzenten geworden, die im Speckgürtel des Filmmekkas L.A. für das nötige Zwielicht sorgten? Die literarische Antwort gibt nun Tony O’Neills Gegenwartsroman «Sick
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Rezension
Sahra Wagenknecht: Freiheit statt Kapitalismus. Frankfurt: Eichborn, 2011.
Von Detmar Doering
In seinem Buch «The Servile State» von 1977 stellt der kapitalismuskritische Schriftsteller Hilaire Belloc fest: der Versuch, den Kapitalismus mit sozialistischen Reformen zu verbessern, führt primär zur Machtstärkung des Staates gegenüber dem Bürger, der immer mehr von diesem Staat abhängig wird. Das erinnert an unsere Gegenwart: hohe Zentralisierung von Macht, staatlich gewollte Aufblähung des Finanzsektors, Abkopplung des Einkommens der Massen
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Nacht des Monats
Von Michael Wiederstein
Hitzewelle: New York meldet an diesem Freitagabend kurz nach Sonnenuntergang noch immer 37° C. Adrian Mueller lehnt an einer Strassenlaterne gegenüber dem Village Vanguard. Der ehrwürdige Jazzclub in Greenwich Village, die «Carnegie Hall of Jazz», bot schon Harry Belafonte, Miles Davis und John Coltrane eine Bühne. Die Hemdsärmel hochgekrempelt, mit Ansätzen eines Dreitagebartes und sichtlich gut gelaunt kommt Adrian auf mich zu. «Hey!», sagt
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