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Editorial
Von René Scheu
Das Leben auf Pump analysieren wir seit Jahren. Dass dem kreditfinanzierten Wirtschaften von Privaten, Unternehmen und Staaten auf Dauer kein Erfolg beschieden sein kann, ist für all jene klar, die Ökonomie nicht mit Alchemie verwechseln. Mittlerweile greift jedoch in denselben Medien, die die Situation über Jahre schöngeredet haben, ein neuer Katastrophismus um sich. Wir halten bewusst dagegen. Peter Sloterdijk, einer der luzidesten Denker der Gegenwart, setzt einen ersten
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Ohne Scheuklappen
Von René Scheu
Es ist völlig klar, warum der Staat überschuldet ist. Er finanziert bloss, was seinen Bürgern an Leistungen und Ansprüchen von Gesetzes wegen zusteht. Auch wenn das bürgerliche Sparapostel anders sehen: die Schuldensituation ist demokratisch legitimiert. Letztlich fürchten diese Kassandrarufer ohnehin bloss um ihre Pfründe. Aber der Staat widersetzt sich dem Ansinnen der Privilegierten und setzt soziale Gerechtigkeit durch. Das sollte eigentlich jeder verstehen
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Nacht des Monats
Von Michael Wiederstein
Ich habe ein schlechtes Gewissen: weil ich die Überquerung des Bergmassivs zwischen Bellinzona und Vogorno zeitlich etwas gar optimistisch eingeschätzt habe, bin ich viel zu spät angekommen – und musste Louis aus seinem wohlverdienten Schlaf reissen. Nur, damit er mir die Hütte aufschliesst. Es ist kurz nach 21 Uhr, stockdunkel und – bis auf das Meckern einer Ziege – vollkommen ruhig. Der 69jährige Berglandwirt drückt mir den
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Neue Bürgerlichkeit
Von Norbert Bolz
Viele Leser des «Schweizer Monats» werden Herrn Bosbach nicht kennen. Er ist Bundestagsabgeordneter und CDU-Mitglied. Herr Bosbach gehört zu den unaufgeregten, sachorientierten Politikern. Er drängt nicht mit Polemik in die Medien, sondern bleibt in seinen Diskussionsbeiträgen besonnen und in seiner politischen Überzeugung standhaft. Dass dies genügt, um zu einem Musterbeispiel couragierter Bürgerlichkeit zu werden, konnte man in den letzten Wochen
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Rezension
John Blundell: Ladies for Liberty: Women Who Made a Difference in American History. New York: Algora, 2011.
Von Detmar Doering
Es ist schwer, den Fortschritt in der Frauenemanzipation heute genau zu bemessen. Ein verlässliches Kriterium hierfür ist, zu ermitteln, welche Tätigkeiten für Frauen heute selbstverständlich sind – und es früher nicht waren. Eine treffende Beobachtung in diesem Kontext wäre zum Beispiel, dass Frauen in der Politik nicht mehr nur in der Frauenpolitik oder als Proporzprotagonisten wirken. Und ein Teilaspekt dieses Teilaspektes ist sicher, wenn das
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Marktplatz
Von Mathias Binswanger
Wie uns die Geschichte lehrt, haben Banken aus der Natur ihrer Tätigkeit heraus die Tendenz, von Zeit zu Zeit langfristig unvernünftige Risiken einzugehen, die kurzfristig hohe Gewinne versprechen. Aus diesem Grund gibt es auch eine lange Geschichte staatlicher Anstrengungen, die Risiken der Banken zu überwachen. Dies ganz besonders nach grösseren Finanzkrisen wie zu Beginn der 1930er Jahre oder eben jetzt nach der jüngsten Hypothekarkrise. Dabei stützt man sich
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Rezension
Mario Vargas Llosa: Der Traum des Kelten. Aus dem Spanischen von Angelica Ammar. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2011.
Von David Signer
Mario Vargas Llosa, Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger, setzt sich für die Marktwirtschaft ein. Er bezeichnet sich selbst als liberalen Demokraten und nahm schon zu einer Zeit Stellung gegen Fidel Castro und südamerikanische Guerillas, die unter dem Vorwand der «Befreiung» die Bevölkerung terrorisierten, als das unter Intellektuellen noch als Sakrileg galt. Er wird nicht müde, seinen Einsatz für Freiheit und Fortschritt zu artikulieren, und
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Rezension
Jeroen van Rooijen: Hat das Stil? 200 Fragen und Antworten zur kultivierten Lebensart. Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung, 2011.
Von Thomas Sprecher
Vorbei sind die Zeiten, in denen die gehobene Lebenswelt vor Stilsicherheit strahlte: Überall trampelt das Bäurische voran, das Stumpfe und Rohe dringt in die besten Häuser. Das Turnschuhwesen hat sich auf eine Weise ausgebreitet, dass einem bange werden muss. Und bei alldem ist das zivilisierte Bewusstsein immer leicht überfordert. Denn Hand aufs Herz: Wem fiele die Entscheidung, ob er in Vollfilzpantoffeln oder skandinavischen Hüttenfinken sein Zuhause durchmessen
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Sofskys Welt
Von Wolfgang Sofsky
Zum Schutz hat er sich Latexhandschuhe übergestreift. Nun rubbelt er mit dem Lappen zwischen den Buchstaben herum, verwischt über dem Wort die Farbe und verteilt dann den Schmierfilm kreisförmig auf der Fläche. Es ist eine mühsame, schmutzige Arbeit. Zuerst muss man ein Stahlgerüst aufbauen, um überhaupt hinauf zum Tatort zu gelangen. Dann wird endlos auf dem Stein hin und her gerieben, bis sich die Rückstände abspülen lassen.
Irgendetwas
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Unternehmer im Gespräch
Kreativität, Unternehmertum, Innovation: dafür steht Solar Impulse von Bertrand Piccard, die Idee der Weltumrundung mit einem Solarflugzeug. Alfred N. Schindler nennt es eines der inspirierendsten Cleantech-Projekte der Gegenwart. Ein Gespräch über den Willen, Grenzen zu verschieben, und die Welt der Zukunft.
Von René Scheu, Alfred N. Schindler
Herr Schindler, Sie halten sich, was Auftritte in der Öffentlichkeit betrifft, eher bedeckt. Nun unterstützen Sie als einer der Hauptpartner das Projekt Solar Impulse von Bertrand Piccard. Steckt dahinter Kalkül oder hat es Ihnen der Traum der Weltumrundung eines solarenergiegetriebenen Flugzeugs einfach angetan?
Im ersten Punkt haben Sie recht. Die Firma und die Produkte sollen im Vordergrund stehen und nicht meine Person. Sicher ist Piccards Vision faszinierend. Für die
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Freie Sicht
Von Christian P. Hoffmann
Demonstrationen und Protestzüge durchziehen derzeit zahlreiche Metropolen des Westens: Madrid, New York, Mailand, London und natürlich Athen. Vor allem junge Menschen begehren auf gegen die Sparbemühungen (oder zumindest Sparankündigungen) ihrer Regierungen. Dabei scheinen die jungen Demonstranten durchaus über die Sympathien ihrer Regierungen zu verfügen. Präsident Obama jedenfalls äusserte öffentlich Verständnis für die Anliegen der
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Zwischen den Zeilen
Wir denken falsch. Systematisch falsch. Wir sind eigentlich Jäger und Sammler in Hugo-Boss-Anzügen, sagt Rolf Dobelli. Und wollen es uns partout nicht eingestehen. Ein Gespräch mit dem Schriftsteller und Unternehmer über falsche neuronale Verdrahtungen, die Nachteile der Monogamie und männliches Statusverhalten.
Von René Scheu, Rolf Dobelli
Herr Dobelli, ich beginne mit einem Zitat.
Schiessen Sie los.
«Der Mensch lernt, insofern er sein Tun und Lassen zu dem in die Entsprechung bringt, was ihm jeweils an Wesenhaftem zugesprochen wird. Das Denken lernen wir, indem wir auf das achten, was es zu bedenken gibt.» Von wem stammt dieser Passus?
Schwierig. Und vor allem: ziemlich umständlich und unverständlich geschrieben. Verraten Sie es mir!
Vom Philosophen Martin Heidegger.
Das ist ein Beispiel
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Kultur leben
Von Xenia Tchoumitcheva
Ich wurde in den letzten Wochen unzählige Male danach gefragt, wieso ich mich entschieden hätte, meine Karriere bei einer Investmentbank nach so kurzer Zeit schon wieder zu quittieren. Ich will die Frage hier beantworten.
Die Monate und Jahre, die ich nun in der Finanzbranche verbrachte, waren eine gute Schule. Nicht nur in bezug auf die Menschen, die ich kennengelernt habe, und in bezug auf die fundamentalen Kenntnisse über Finanzprodukte und das Bankensystem, die ich mir
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Debatte
Eine Weltregierung ist eine schlechte Idee. Aber sind Bruno S. Freys FOCJ
eine taugliche Alternative? Praktische Überlegungen zeigen: eher nicht. Eine Replik.*
Von Lukas Rühli
Die Weltregierung ist eine Utopie, die in den Köpfen vieler Menschen herumgeistert. Der Wirtschaftswissenschafter Bruno S. Frey machte einen Gegenvorschlag, wonach das staatliche Angebot in funktionalen, überlappenden, zueinander in Wettbewerb stehenden und über Steuerhoheit verfügenden Jurisdiktionen, den sogenannten FOCJ, erfolgen sollte.
Vorweg zur Utopie: Die Weltregierung ist ein uralter Traum vieler Menschen, nicht weil sie denken, diese wäre besser als die
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Was macht die Kunst?
Die Künstlerin Ingeborg Lüscher erzählt von ihrer Arbeit mit Sonderlingen im Tessin und den Grenzen ihrer eigenen Menschlichkeit. Und sie erklärt, weshalb sie den Nachlass von Harald Szeemann trotz Verbundenheit mit der Schweiz nach Los Angeles verkaufte.
Von Johannes M. Hedinger , Ingeborg Lüscher
Ingeborg, was macht die Kunst?
Oh, das ist gerade das Allerschwierigste. Ich habe eben die Videoarbeit «Die andere Seite» beendet, an der ich zwei Jahre gearbeitet habe. Dafür filmte ich in Israel und Palästina bei Menschen, die durch «die andere Seite» nahe Menschen verloren haben. Ich richtete an sie jeweils drei Aufforderungen, erstens: Denke, wer du bist, dein Name, deine Herkunft. Zweitens: Denke, was die andere Seite dir angetan hat. Und drittens: Denke,
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Dossier
Der Verhaltensökonom Ernst Fehr erforscht, wie Menschen Entscheidungen treffen. Und zeigt, dass Empathie und Altruismus dabei eine grosse Rolle spielen. Seine Erkenntnisse bieten einen doppelten Mehrwert im Wettbewerb um die hellsten Köpfe der Welt.
Von Florian Rittmeyer, Claudia Mäder, Ernst Fehr
Herr Fehr, Sie lehren in Zürich und New York, reisen, referieren, publizieren, Interviews geben: das ist anspruchsvolles Multitasking. Wie optimiert der managende Wirtschaftswissenschafter seine Zeit am effi-zien-testen? Und wie schafft er sich Freiräume für freies Denken?
Das ist wirklich die Frage Nummer eins, die mich momentan umtreibt. Die Ausgangslage ist klar: haben Sie als Wissenschafter Erfolg, laufen Sie Gefahr, von Managementaufgaben überrollt zu werden. Was mir
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Dossier
Die Drittmittelakquisition stellt die Schweizer Universitäten vor neue praktische Herausforderungen. Und bietet grosse Chancen: Staat, private Stiftungen und Wirtschaft können von einem finanziellen Zusammenspannen in der Hochschulfinanzierung profitieren. Diese Erkenntnis setzt sich jedoch nicht überall gleich durch.
Von Robin Schwarzenbach
Die Idee hat sich in der Privatwirtschaft erfolgreich etabliert: ambitionierte unternehmerische Projekte locken mit guten Ideen Investoren an, die sich von ihrem Engagement einen Mehrwert in Form einer Rendite oder persönlicher Anerkennung versprechen. Bestenfalls bringen diese Financiers noch ihre unternehmerische Erfahrung ein und helfen auf diese Weise Unternehmen bei der Umschiffung ökonomischer Risiken. Zunehmend werden ähnliche Konzepte auch im Bereich der Schweizer
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Essay
EFSM, EFSF, ESM. Die Abkürzungen wirken kurios, sind aber ernst gemeint. Und illustrieren perfekt die neue politökonomische Unübersichtlichkeit. Was genau passiert in der Europäischen Union? Wer wird mit wessen Geld gerettet?
Von René Zeyer
523 Berufspolitiker, allesamt Mitglieder des Deutschen Bundestags, haben stellvertretend für ihre Staatsbürger und Steuerzahler einer neuen Bürgschaft zugestimmt. Quer durch alle Parteien, nur «die Linke» verweigerte sich geschlossen. Es ging anscheinend um die Rettung des Euros. Oder um die Rettung Griechenlands? Auf jeden Fall hatte diese neue Bürgschaft etwas mit dem EFSM zu tun, dem Europäischen Finanzstabilitätsmechanismus. Und mit der EFSF,
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Dossier
Universitäten können heute unternehmerisch agieren und aktiv Fundraising betreiben.
Noch herrscht allerdings allgemeine Zurückhaltung. Mitunter, weil sich Alexander von Humboldt vor 200 Jahren nicht durchsetzen konnte. Das dürfte sich ändern.
Von Beat Münch
Die Universitäten haben in den letzten Jahrzehnten bedeutend mehr Autonomie und damit Spielraum für unternehmerisches Handeln erhalten. Dies führte in tiefgreifenden Reformprozessen zu einem neuen Verständnis universitärer Unabhängigkeit. Weg von der Freiheit des Elfenbeinturms, hin zur Möglichkeit, sich mit selbstgewählten Strategien den Entwicklungen der Wissenschaft und den daraus entstehenden Bedürfnissen anzupassen. Dies gilt nicht zuletzt auch
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Essay
Allgemeinbildung, Gymnasium und Latein: ein Plädoyer für mehr klassisch-kritischen Geist.
Von Stefan Stirnemann
In allgemeinen Worten von Allgemeinbildung zu reden, hat keinen Sinn. Wer sie hört, wird zwar einverstanden sein, aber ohne zu wissen, womit genau, und ohne die gebotenen Folgen dieses Einverständnisses zu kennen. Ich zeige an einem Beispiel, was unter Allgemeinbildung zu verstehen ist, einem Matura-Aufsatz, den ich vor Jahren las und dessen Grundgedanken sich mir eingeprägt haben.
Eine Deutschlehrerin stellte ihren Maturanden unter vier Prüfungsthemen einen Satz aus dem
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Dossier
Die Kultur der permanenten Innovation – die sucht Daniel Borel, Gründer von Logitech, an der EPFL. Darum hat sich seine Firma auf dem Campus angesiedelt. Dass er da auch auf Konkurrenten trifft, stört ihn nicht. Hauptsache, er hilft, die Zukunft neu zu erfinden.
Von René Scheu, Daniel Borel, Claudia Mäder
Herr Borel, die Computermaus ist einst in einer Scheune bei Morges entwickelt worden. Weshalb braucht Logitech heute Einrichtungen wie das Daniel Borel Innovation Center auf dem Campus der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne, um neue Erfindungen zu machen?
Na ja, also vorab: die Idee zu dem Namen kam natürlich nicht von mir, den hat das Logitech-Management kreiert! Ich aber habe mich von Anfang an dafür eingesetzt, unser Entwicklungscenter in das «Quartier de
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Dossier
Die ETH Lausanne ist heute der Prototyp einer unternehmerischen Hochschule.
Patrick Aebischer hat sie mit Hilfe privater Förderer für den globalen Exzellenz-Wettbewerb fit gemacht. Nun will er einen Schritt weitergehen und eine Renaissance der europäischen Universitätskultur einläuten.
Von Florian Rittmeyer, Patrick Aebischer
Herr Aebischer, als Wissenschafter entwickeln Sie Gentherapien für Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson. Als Manager führen Sie die EPFL. Wie lebt es sich mit dieser Doppelrolle?
Ich schlafe nicht viel und spiele kein Golf (lacht)…
…arbeiten dafür aber 80 bis 100 Stunden pro Woche. Wie motivieren Sie sich?
Wissen Sie, mein Vater arbeitete als Maler auch über 80 Stunden. Seine Antriebskraft war dieselbe wie meine: Leidenschaft.
Sie gingen
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Dossier
Von Redaktion
Exzellenz: dieser magische Begriff war es, der, in Kombination mit einem ausgeprägten helvetischen Sinn für Praktisches, in der Schweiz bereits im 19. Jahrhundert renommierte Lehrende und Forschende angezogen hat. Ihre Spitzenleistungen rückten damals jene Rohstoffe ins Zentrum der gesamtgesellschaftlichen Aufmerksamkeit, die im 21. Jahrhundert wichtiger geworden sind als alle Bodenschätze: Wissen, Leistungs-bereitschaft und helle Köpfe.
Doch wo
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Essay
Die Wachstumsrhetorik ist ein grosses Missverständnis. Europa ist seit der frühen Neuzeit auf mehr als Wachstum angelegt: auf Lebenssteigerung. Stichworte zu einer Neufassung der europäisch-unternehmerischen Idee vom reichen Leben.
Von Peter Sloterdijk
Wer heute eine affirmative Wachstumsdoktrin vortragen möchte, befindet sich in einer wenig beneidenswerten Position: er muss sich zur Verteidigung seiner These auf einen Begriff stützen, der schon heute stark kompromittiert ist und der künftig wohl gänzlich unbrauchbar werden wird. «Produktivitätswachstum» – das geht wohl noch an; aber schon der Drohbegriff «Bevölkerungswachstum» macht den positiven Eindruck zunichte, um vom
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