#01 (Mai 2011)
Von Redaktion
 
Der Mai-Ausgabe des «Schweizer Monats» liegt erstmals unsere neue Literatur-Sonderbeilage «Literarischer Monat» bei. Darin unter anderem:
Von der emotionalen Eruption zum Literaturpreis: Ein Briefwechsel mit Nachwuchsautorin Regina Dürig / Alice im virtuellen Wunderland: Unsere Kolumnistin Zoe Jenny über den Buchmarkt 2.0 / Schweizer Neuerscheinungen in Kurzkritik #32: Lukas Hartmann, Paul Nizon, Karin Richner, Susanna Schwager,
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Von Michael Wiederstein
Schon wieder eine Premiere! Gewiss, aufmerksame Leser des «Schweizer Monats» wussten bereits, dass wir nach dem Relaunch den Literaturteil aufstocken würden. Hier ist er nun erstmals, der «Literarische Monat», unsere neue Literaturbeilage! Zum Blättern, zum Lesen. Denn Lesen, so empfinden wir, ist eine Tätigkeit, die auch künftig ohne http, Batterie oder Netzteil auskommen darf.
Zoë Jenny, unsere neue Literaturkolumnistin, bezeichnet sich selbst
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Was Heinrich von Kleist in Thun suchte. Und was er stattdessen fand.
Von Klaus Hübner
«Kleist hat Kost und Logis in einem Landhaus auf einer Aareinsel in der Umgebung von Thun gefunden», beginnt die erstmals im Juni 1907 veröffentlichte Erzählung «Kleist in Thun». Was der vor 200 Jahren am Berliner Wannsee aus dem Leben geschiedene Preusse im Jahr 1802 dort trieb, ist ihrem Autor Robert Walser ziemlich klar: «Er dichtet natürlich … Er hat Bauer werden wollen, als er in die Schweiz gekommen ist. Nette Idee das.» In der Tat » Mehr
Der Weg von der ersten emotionalen Eruption in Textform bis zum begeisterten Verleger ist lang. Nachwuchsautorin Regina Dürig hat ihn gerade hinter sich.
Ein Gedankenaustausch über Mut, Melancholie und das Meer.
Von Michael Wiederstein, Regina Dürig
Frau Dürig, im Herbst erscheint Ihr erstes Buch «Katertag. Oder: Was sagt der Knopf bei Nacht». Vor kurzem haben Sie in Deutschland mit Ihrem Manuskript den «Goldenen Pick» gewonnen. Um was geht es?
Um den fünfzehnjährigen Nico, dessen Vater alkoholkrank war. Inzwischen macht dieser einen Entzug, doch Nico hat das Vertrauen in ihn verloren. Um sich von seinem Vater zu distanzieren, schreibt Nico einen Brief, in dem er die letzten zwei Jahre aus seiner
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Paul Nizon / Peter Bachmann: Ein Schreibtisch in Montparnasse. Ein Gespräch.
Göttingen: Wallstein, 2011.
Von Katharina Knorr
«Stellen Sie Ihren Schreibtisch in eine Ecke, und wann immer Sie sich ans Schreiben machen, halten Sie sich vor Augen, warum er nicht in der Mitte des Zimmers steht. Das Leben ist kein Stützgerüst für die Kunst. Es ist andersherum», schreibt Steven King in seinem gleichnamigen Buch über «Das Leben und das Schreiben». Paul Nizons Schreibtisch dagegen steht in Montparnasse, dem künstlerischen Zentrum von Paris – mitten im kulturellen Leben. » Mehr
Lukas Hartmann: Finsteres Glück. Zürich: Diogenes, 2010.
Von Michael Harde

Eigentlich hätte es gar nicht passieren dürfen, hat doch Kurt Tucholsky schon vor knapp hundert Jahren plakativ gewarnt: «Du willst immer eine grosse Schlanke und dann bekommst du… eine kleine Dicke.» Habe ich darauf gehört? – Natürlich nicht. Ich wollte einen spannenden Krimi. Ich wollte am Ende von Lukas Hartmanns Roman «Finsteres Glück» die Lösung aller Verwicklungen, ich wollte sehen, wie der letzte schwarze Vorhang zur » Mehr
Karin Richner: Sieben Jahre Schlaf. Zürich: Bilgerverlag, 2011.
Von Hartmut Vollmer

Lucie kehrt nach fast zwanzig Jahren zurück in ihre kleine südfranzösische Heimatstadt, wo ihre Mutter Aline einen Gehirnschlag erlitten hat. Den Aufenthalt am Ort ihrer Kindheit und Jugend empfindet die Ich-Erzählerin als «fremd und vertraut zugleich». Unaufhörlich wird sie von Erinnerungen bestürmt, von Erinnerungen an ihre Mutter, die ein Café geführt hat und immer öfter auf Reisen ging, so dass Lucie viel Zeit bei ihrer Grossmutter » Mehr
Iris Gerber: Nachtwerk. Hommage an eine Komponistin. Oberhofen: Zytglogge, 2011.
Von Katka Räber-Schneider
Margrit Zimmermann, die Berner Komponistin. Eine der wenigen Dirigentinnen, eine bürgerliche Nonkonformistin, geboren 1927. Ihre Geschichte, erzählt aus der Perspektive einer früheren Schülerin, musikalisch-literarisch. Ein Leben wie ein Roman, dramatisch, fliessend und doch voller Spannungen und Brüche, zwischen Leidenschaft, Ästhetik und Schmerz, zwischen kreativer Einsamkeit und distanzierter Weltnähe. Eine Liebeserklärung an die Musik – und dann » Mehr
Susanna Schwager: Ida. Eine Liebesgeschichte. Gockhausen: Wörterseh, 2010.
Von Michael Pfister
Mit den beiden Lebensbeschreibungen ihrer Grosseltern mütterlicherseits («Fleisch und Blut», «Die Frau des Metzgers») und mit zwei Portraitbänden über Frauen und Männer jenseits der 80 («Das volle Leben») setzte die Zürcher Autorin Susanna Schwager Meilensteine der oral history, dieser Gattung zwischen Geschichte, Journalismus und Literatur. Ihr neues Buch verbindet die Souveränität, die sich Schwager im dokumentierenden » Mehr
Henri Roorda: Mein Selbstmord. Biel: die brotsuppe, 2010.
Von Virgilio Masciadri
Der 1870 geborene Henri Roorda ist auf der deutschsprachigen Seite des Röstigrabens wohl so gut wie unbekannt. Allenfalls kennen Spezialisten die Traktate des Lausanner Schriftstellers zur antiautoritären Pädagogik – dabei war dieser Sohn aus Holland eingewanderter Eltern einer der hintergründigsten Humoristen, die je in unserem Land geschrieben haben. Davon zeugt auch sein allerletztes Werk, das nun in Yla M. von Dachs eleganter Übersetzung endlich auf Deutsch » Mehr
Matthias Zschokke: Lieber Niels. Göttingen: Wallstein, 2011.
Von Ruzica Lazic
Da hat sich Matthias Zschokke ja einiges herausgenommen. Auf den ersten Blick – und das stimmt eigentlich auch – liest sich «Lieber Niels» schnell, leicht, chronologisch geordnet, aber nicht thematisch sortiert. Nichts anderes war zu erwarten nach gut sieben Jahren Schriftverkehr mit Niels Höpfner, seines Zeichens ebenfalls Kommunikator. Auf den zweiten Blick bietet das Buch aber auch mehr, als erwartet werden durfte. Es ist der intime Rahmen, der einen Strom locker » Mehr
Beatrice von Matt: Mein Name ist Frisch. Begegnungen mit dem Autor und seinem Werk. Zürich: Nagel & Kimche, 2011.
Von Rafael Ferber
Beatrice von Matt hat zum 100. Geburtstag von Max Frisch eine Reihe von bereits publizierten Aufsätzen überarbeitet und in einem Sammelband neu herausgegeben. Es handelt sich dabei nicht um im engeren Sinne wissenschaftliche Abhandlungen, sondern um mit viel Einfühlungsvermögen und Wohlwollen gegenüber dem Autor gezeichnete Portraits. Sie sollen uns Frisch von seinen Anfängen bis hin zu den Involutionen des Alterswerks wieder vergegenwärtigen. Das Buch beginnt » Mehr
«Diskurse in die Weite. Kosmopolitische Räume in den Literaturen der Schweiz».
Hrsg. von Martina Kamm [u.a.]. Zürich: Seismo, 2010.
Von Klaus Hübner
In seinem legendären Essay «Diskurs in der Enge» (1970/73) prangerte Paul Nizon die Kunstfeindlichkeit der Eidgenossenschaft an. Er diskutierte darin die Identität spezifisch schweizerischen Literaturschaffens, fragte nach ihren Eigenschaften und den damit auftauchenden Problemen. Wie steht es um diese Identität heute? Was bedeutet sie insbesondere für Schriftsteller, die nicht im Lande geboren sind, aber in einer seiner Sprachen schreiben und das literarische » Mehr
Von Zoe Jenny
Meinen ersten Roman habe ich auf einer elektrischen Schreibmaschine geschrieben, bewaffnet mit Tipp-Ex. Das ist 14 Jahre her, aber es scheint, als ob wir inzwischen auf einem anderen Planeten lebten. Scheinbar unbemerkt gewöhnt man sich an Computer, an iPhones und iPods und iPads, die sich mit ihrem perfekten Design in unserem Leben einnisten, als wären sie schon immer da gewesen. Um es gleich vorwegzunehmen: ich habe nicht das Geringste gegen diese sexy Maschinchen. Aber hier kommt
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Von Markus Rottmann
An vielem ist Reinhold Messner schuld, dieser bärtige Superlativ, Bergfresser und grandiose Geschichtenerzähler unter den virtuosen Egomanen der Abenteuerwelt. Wie eine Urgewalt ist er über die Bergsteiger hereingebrochen. Hat nach zahllosen Erstbegehungen das Rennen um die 14 Achttausender für sich entschieden, nur um gleich wieder zu ihnen zurückzukehren, um zeternden Experten zu beweisen, dass allesamt auch ohne künstlichen Sauerstoff menschen-, zumindest
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