Schweizer Monat
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Die EU verliert zunehmend an politischer Beweglichkeit und Handlungsfähigkeit. Die aktuelle Debatte über «mehr» oder «weniger» Europa kann dieses Problem nicht lösen. Wohl aber die Diversifizierung der Zugehörigkeitsform. Ein Vorschlag.
Von Herfried Münkler

Herfried Münkler, photographiert von Malte Jäger / laif.

Die Europäische Union ist politisch wie wirtschaftlich überdehnt. Der amerikanische Historiker Paul Kennedy hat in seiner Analyse des Aufstiegs und Falls der grossen Mächte den Begriff der «imperialen Überdehnung», Imperial Overstretch, eingeführt und damit Konstellationen bezeichnet, in denen die Anforderungen an den Fortbestand einer politischen Ordnung die verfügbaren Ressourcen und die Bereitschaft der sie tragenden Bevölkerung, diese...
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Der alte Kontinent hat es binnen eines Jahrhunderts geschafft, die Diktatur von einer hier weitverbreiteten Staatsform zu einem Fall für die Geschichtsbücher zu machen. Diese Leistung verdient in Zukunft mehr Anerkennung.
Von Aleida Assmann

Aleida Assmann, photographiert von Jussi Puikkonen / KNAW / BW / CC BY 2.0.

Kann man aus der Geschichte lernen? Auf diese Frage gibt es sehr unterschiedliche Antworten. Der Historiker Reinhart Koselleck antwortete mit einem entschiedenen «Nein!». Sein Grund dafür war, dass in westlichen Gesellschaften seit der Neuzeit das Gesetz der Modernisierung und Innovation herrscht, das die Welt und mit ihr die menschlichen Lebensverhältnisse in einen stetigen Wandlungsprozess versetzt hat. Durch diesen Wandel hat sich der «Erfahrungsraum» der...
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Die Briten verlassen die Europäische Union. Wie der Austritt genau aussieht, zeichnet sich bereits ab. Ein sozialdemokratischer Lord glaubt: Die Verhandlungen um die Konditionen sind eine Chance – und zwar nicht nur für Grossbritannien.
Von Lord David Anthony Llewellyn Owen

Lord David Owen, photographiert von Murdo Macleod / Polaris / laif.

Im Augenblick lassen sich die möglichen Folgen des Brexits für das Vereinigte Königreich und die EU kaum aufzeigen, da die britische Regierung es klugerweise vorzieht, ihre nächsten Schritte sorgfältig zu beraten und ihren Plan nicht vor Januar 2017 bekanntzugeben. Es ist allerdings zu hoffen, dass die EU und Grossbritannien zwischen Oktober 2016 und Januar 2017 zu einer gemeinsamen Auslegung des Artikels 501 des EU-Vertrags kommen werden. Welche Einzelheiten dabei zu...
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Über Liberalismus, Nationalismus und Sozialismus im Europa von morgen. Ein Kommentar.
Von Deirdre McCloskey
Was Politik und Wirtschaft angeht, hatte die intellektuelle Elite Europas in den letzten drei Jahrhunderten drei grosse Ideen. Eine sehr, sehr gute und zwei andere sehr, sehr schlechte.
Die erste, ausgehend im achtzehnten Jahrhundert von den Federn von Leuten wie Voltaire, Tom Paine, Mary Wollstonecraft und vor allem vom gesegneten Adam Smith, ist, wie Smith es nannte, «jedem Mann [oder Frau, herrje!] zu erlauben, ihre eigenen Interessen auf ihre eigene Weise zu verfolgen, aufbauend auf... » Mehr
Kurzgeschichte von Jon McGregor. Übersetzt aus dem Englischen von Anke Caroline Burger. Mit Illustrationen von Christina Baeriswyl.
Von Jon McGregor

Illustration von Christina Baeriswyl

Und so beginnt sein Tag. Wenn du es ganz genau wissen willst. Er steht im kalten, nassen Morgenlicht vor der Tür und pinkelt auf den steinigen Boden. Er wird wach, steht auf, tappt über den rohen Holzfussboden und öffnet die Tür. Er zieht die Schlafanzugshose herunter und der ganze, in einer langen Nacht angestaute Harn strömt auf den steinigen Boden und hinunter zum Fluss, der dem Meer entgegenfliesst. Die Erleichterung. Die abgrundtief seufzende Erleichterung. Er muss...
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Warum alle Drogen legal sein sollten.
Von Jeffrey Miron

Jeffrey Miron, zvg.

In den meisten Staaten der Welt steht heute der Gebrauch von Marihuana, Kokain, Heroin und einer ganzen Reihe anderer Drogen unter Strafe. Den Anfang dazu machten die USA, die 1914 den «Harrison Narcotics Act» verabschiedeten. Nach dem Ersten Weltkrieg bestand Amerika darauf, dass alle Unterzeichnerstaaten des Versailler Vertrags die Prohibition übernahmen. Das bekam auch die Schweiz zu spüren: der damalige Völkerbund und die USA setzten sie unter Druck, ihre...
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Wie kriminelle Netzwerke die Mittelmeermigration organisieren.
Von Monica Fahmy
Viele wurden in den Laderaum unter Deck gezwängt und eingeschlossen. Die Schlepper haben die Türen verschlossen, damit keiner rauskam.» Ein 23jähriger Mann aus Bangladesch erzählt am 21. April 2015 den Rettungskräften im sizilianischen Catania, was auf dem Fischerboot geschah, das zwei Tage zuvor vor der Küste Libyens gekentert war. Er gehört zu den 28 Überlebenden. Über 900 andere waren ertrunken.
Sie waren aus allen Himmelsrichtungen bis nach... » Mehr
Dürfte jeder Mensch frei entscheiden, in welchem Land er arbeiten will, wäre die Welt reicher und stabiler. Eine Gedankenübung.
Von Stefan Schlegel

Grenzen als Investitionshemmnisse: Wer Arbeiter nicht ins Land lässt, kann auch deren Humankapital nicht erschliessen. Bild: Grüne Grenze zu Deutschland in Rüdlingen, Kanton Schaffhausen, photographiert von Philipp Baer.

Die Geschichte, die man sich in der Schweiz über Migration erzählt, ist in Variationen immer dieselbe: Zuwanderung ist ein Risiko für die Gesellschaft. Sie gefährdet die soziale Ordnung, den Arbeitsmarkt, die Sozialsysteme, die öffentliche Sicherheit und Gesundheit. Darum ist sie grundsätzlich zu verbieten und nur ausnahmsweise zu erlauben. Das Mittel, um dieses Verbot durchzusetzen, ist die Fremdenpolizei. Eine linksliberale Spielart besteht zwar darauf, dass...
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In seiner Grenzenlosigkeit wirkt das Darknet auf Libertäre wie eine Traumwelt. Die dort florierende Schattenwirtschaft konkurriert allerdings mit der Realwirtschaft. Und die muss, anders als kriminelle Unternehmer, Steuern zahlen.
Von Ronnie Grob

Die Fälschung von Ausweisen, wie man sie im Darknet findet, ist gemäss Art. 252 StGB untersagt. Verboten ist nicht nur das Fälschen und Verfälschen, sondern auch der Gebrauch eines unechten oder der Missbrauch eines echten Ausweises. Bild: Musterkarten eines Darknet-Anbieters, Screenshot & Collage: Schweizer Monat.

Am Boulevard steht ein hell erleuchtetes Kaufhaus. Seine Besitzer zahlen Steuern und müssen sich an die Gesetze halten. Wenn es seine Kunden befriedigt, kann es Gewinn erwirtschaften, wenn es sie schädigt, kann es verklagt und verurteilt werden. Dasselbe gilt für Kaufhäuser im Internet wie Amazon, Siroop oder Galaxus. Der Kunde hat aber natürlich auch andere Möglichkeiten, zu den Gütern zu kommen, nach denen er sucht. Er kann etwa jene dunklen Seitengassen...
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Von Redaktion

Herfried Münkler, photographiert von Malte Jäger / laif.



Editorial

Die «liberale Gesellschaft» erlebt derzeit eine Renaissance der Restriktionskultur. Auf allen Ebenen versuchen erregte Öffentlichkeit und Politik, unliebsamen Erscheinungen mit immer neuen Verordnungen, Gesetzen und Verboten beizukommen. Das betrifft nicht nur Burka- und Niqabträgerinnen, Hundehalter, Raucher, Arbeitgeber oder Autofahrer auf Parkplatzsuche in Zürich, es betrifft jede Bürgerin und jeden Bürger – selbst die... » Mehr
RES PUBLICA
Von Nadine Jürgensen
Endlich sagen, was man denkt! Die neue politische Unkorrektheit ist das Erfolgsrezept von Donald Trump, Marine Le Pen, Frauke Petry und Co.: Sie setzen Themen, die alle anderen angeblich ignorieren – aus Ignoranz oder aus fehlendem Mut – auf die politische Agenda.
Grundsätzlich sind Debatten über Tabuthemen zu begrüssen. Ein Übermass an politischer Korrektheit lähmt. Leider scheinen sich öffentliche Positionsbezüge dazu aber auch hierzulande bei... » Mehr
«In many instances of technology-induced environmental damage, the answer is not less but more and better technology.»
Von Michael Wiederstein
Erinnern Sie sich? Damals, 1972, meine Eltern kannten sich noch nicht, publizierte der Club of Rome mit «Die Grenzen des Wachstums» einen Bestseller von einer Studie, der auf die baldige Übernutzung des Planeten und eine ihm drohende Überbevölkerung hinwies. Viele der hier dargereichten Thesen (und die mitgelieferten Endzeitvisionen) zum Wachstum wurden seither kritisiert und widerlegt, nicht zuletzt durch die Geschichte. Gleichwohl beeinflussten sie das... » Mehr


Die Europäische Union ist gezwungen, auf den Austritt Grossbritanniens zu reagieren. Zur politischen Einigung beschwört man weiterhin die sogenannte «europäische Identität». Doch existiert überhaupt ein gemeinsames, europäisches Gefühl? Einer der renommiertesten britischen Historiker glaubt: Nein.
Von David Abulafia

Die neuen Perspektiven der Europäischen Union: Ockendons, Grafschaft Essex, Grossbritannien, Juni 2016. Photographiert von Daniel Biskup / laif.

Der Titel dieses Essays ist schamlos inspiriert von dem kürzlich erschienenen Buch «Imagining Europe: Myth, Memory, and Identity»1. Die in New York ansässigen Autoren gehen, so viel vorweg, nicht davon aus, dass es so etwas wie eine gemeinsame europäische Identität seit Jahrhunderten gibt. Stattdessen fragen sie, wie eine solche Identität in Zukunft geschaffen werden könnte, und ihre Prämisse ist es, dass eine solche Identität geschaffen werden...
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